Bei Folsäure sind sich alle Experten einig: Für Frauen mit Kinderwunsch und werdende Mütter ist das B-Vitamin dringend zu empfehlen.

Dr. Martina Behler und Tanja Emde vom Kinderwunschzentrum Kinderwunsch-Kö informieren darüber, wie und warum Folsäure eingenommen werden sollte.

Was ist Folsäure eigentlich?

„Folsäure ist ein wasserlösliches Vitamin, das vor allem in dunklem Blattgemüse wie Spinat und Kohlsorten wie Wirsing, Brokkoli oder Grünkohl, aber auch in Hülsenfrüchten wie Linsen und Bohnen enthalten ist. Aber Folsäure ist auch sehr empfindlich. Daher kann es bei der Zubereitung schnell zerstört werden. Gleichzeitig lassen sich die genannten Gemüse in rohem Zustand aber nicht besonders gut genießen.“

Was kann die Konsequenz eines Folsäure-Mangels sein?

„Es besteht eine gewisse höhere Wahrscheinlichkeit für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind. Bei einem von 1.000 Embryonen schließt sich das Neuralrohr nicht. Es ist aber die Vorstufe des zentralen Nervensystems, daraus entstehen Rückenmark und Gehirn. Bei der Fehlbildung kommt es daher zu schweren geistigen und körperlichen Behinderungen. Pro Jahr kommen in Deutschland etwa 800 Kinder mit Neuralrohrdefekt zur Welt. Bei etwa 500 von diesen Kindern entscheiden sich die Eltern für einen Schwangerschaftsabbruch. Dies ist für die betroffenen Eltern eine schwere Entscheidung, da die Diagnose fast immer erst im zweiten Drittel der Schwangerschaft gestellt werden kann. Also zu einem Zeitpunkt, bei dem die Mutter bereits die ersten Kindsbewegungen gespürt haben kann.“

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Dr. Martina Behler und Tanja Emde vom Kinderwunschzentrum Kinderwunsch-Kö empfehlen allen Frauen mit Kinderwunsch die zusätzliche Einnahme von Folsäure-Präparaten.

Wie können Neuralrohrdefekte verhindert werden?

„Etwa die Hälfte der in Deutschland pro Jahr auftretenden Fälle könnten verhindert werden. In zahlreichen internationalen Studien wurde gezeigt, dass eine zusätzliche Einnahme von Folsäure etwa vier Wochen vor und nach der Empfängnis das Risiko für einen Neuralrohrdefekt beim Kind zu reduzieren vermag. Deswegen ist es ratsam, dass Frauen mit der Einnahme von Folsäure beginnen, sobald sie ihren Kinderwunsch aktiv angehen.“

Wie viel Folsäure sollte bei Kinderwunsch eingenommen werden?

„Eine Dosis von 0,4 Milligramm pro Tag ist in jedem Fall empfehlenswert. Leider ist selbst eine sehr gesunde Ernährung für diese Dosis kaum ausreichend. Um annähernd diese Mengen aufzunehmen, müssten pro Tag fünf Portionen Gemüse verzehrt werden – und zwar möglichst frisch oder schonend verarbeitet. Aber eine für den Kinderwunsch sinnvolle Steigerung der täglichen Folsäure-Einnahme um 0,4 Milligramm pro Tag ist auch mit gutem Ernährungswissen kaum zu realisieren. Der sicherste Weg zur Einhaltung der empfohlenen täglichen Menge ist die Einnahme von reinen Folsäure-Präparaten, die 0,4 Milligramm Folsäure enthalten. Diese sogenannten Monopräparate sind allerdings nur in der Apotheke erhältlich.“

Dr. Martina Behler und Tanja Emde sind Gynäkologinnen mit Schwerpunkt Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie. Sie haben das Kinderwunschzentrum Kinderwunsch-Kö in Düsseldorf gegründet.

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