Sieben Jahre und vier ICSIs brauchte ein junges Paar aus dem Großraum Düsseldorf zum Wunschkind. Der Vater* hat uns von seinen Erfahrungen mit der Kinderwunschtherapie erzählt.

Wann habt ihr euch für die Familienplanung entschieden?

„Wir haben 2006 damit angefangen. Ich war 32, meine Frau 25. Wir waren beide berufstätig in Düsseldorf – ich habe bei einer Bank gearbeitet, sie bei einem Telekommunikationsunternehmen. Wir sind aufgrund unseres Alters davon ausgegangen, dass es eigentlich schnell klappen müsste. Es gab keine Hinweise darauf, dass der Weg zum Wunschkind für uns sehr steinig werden würde.“

Wie lange habt ihr versucht, natürlich schwanger zu werden?

„Das haben wir vier Jahre einfach so versucht. Auch wenn Ärzte heute sagen, schon nach einem Jahr gelte man als ungewollt kinderlos, haben wir uns keine Sorgen gemacht. Wir waren ja jung und hatten keinen Zeitdruck. Doch als meine Frau dann auf die 30 zuging, haben wir beschlossen, uns untersuchen zu lassen.“

Was kam dabei heraus?

„Bei meiner Frau war alles in Ordnung. Das Problem lag ganz allein bei mir: Die Ärzte teilten uns mit, dass wir mit meiner Spermienqualität auf keinen Fall auf normalem Weg schwanger werden können. Das haben wir, und vor allem ich, auch sofort akzeptiert. Man kann daran ja nichts ändern. Selbst mehr Sport, bessere Ernährung oder sonstwas hätte mich nicht fruchtbarer gemacht. Wir brauchten die Hilfe von Ärzten.“

Musstet ihr euch überwinden, in die Klinik zu gehen?

„Nein, kein bisschen. Wir waren zu dem Zeitpunkt schon umgezogen und haben in einer Kleinstadt in der Nähe von Düsseldorf gelebt, so sind wir einfach in das nächstgelegene Kinderwunschzentrum gegangen. Wir haben das natürlich nicht groß herumposaunt, sondern erstmal für uns behalten.“

Ab wann habt ihr mit anderen darüber gesprochen?

„Unsere Eltern haben wir nach dem ersten Versuch eingeweiht. Sie haben da auch eigentlich positiv drauf reagiert, obwohl ich glaube, dass sie es besser als wir akzeptiert hätten, wenn es eben nicht möglich gewesen wäre. Freunde haben wir dann so nach und nach informiert – doch bei Arbeitskollegen oder Nachbarn war Schluss. Es muss nicht jeder wissen.“

Was wurde im Kinderwunschzentrum gemacht?

„Da unsere Kinderlosigkeit an der sehr schlechten Spermienqualität lag, wurde uns sofort die ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) empfohlen. Meine Frau musste Hormone einnehmen, um Eizellen reifen zu lassen. Ich musste Samen spenden. Daraus sind dann im Labor einzelne brauchbare Samen in die Eizellen eingespritzt worden. Wir haben insgesamt vier ICSIs mitgemacht. Wir waren uns einig: Die vierte sollte die letzte sein. Doch bei diesem letzten Versuch ist meine Frau zum Glück schwanger geworden. Unser Sohn ist Ende 2013 geboren worden – sieben Jahre nachdem wir beschlossen hatten, ein Kind zu bekommen.“

Wie habt ihr diese vielen Behandlungen weggesteckt?

„Wir haben das gut miteinander ausgemacht, viel darüber geredet. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt selbstständig gemacht, sodass ich zeitlich flexibel war und die vielen Termine gut wahrnehmen konnte. Emotional schwieriger ist natürlich die Frage: Was machen wir, wenn es gar nicht klappt? Meine Frau hat geäußert, dass ihr ohne Kind der Lebenssinn fehlt. Ich hätte an unserer Kinderlosigkeit vermutlich nicht ganz so stark zu knabbern gehabt, denke ich.“

Was hättet ihr gemacht, wenn die vierte ICSI gescheitert wäre?

„Wir haben sehr konkret über eine Fremdsamenspende nachgedacht. In diesem Fall wäre ich nicht mit dem Kind verwandt gewesen, aber das hätte mich nicht gestört. Bei der Fremdsamenspende wären wir außerdem deutlich günstiger weggekommen und meine Frau hätte diese vielen Hormonbehandlungen nicht gebraucht. Mit dem Wissen von heute hätten wir von Anfang an diesen Weg eingeschlagen.“

Was hat euch der Kinderwunsch denn insgesamt gekostet?

„Wir waren ja verheiratet und die ersten drei Versuche sind von der Krankenkasse bezuschusst worden. Den vierten Versuch haben wir komplett selbst bezahlt. Alles in allem haben wir etwa 15.000 Euro ausgegeben. Da sind jetzt die Fahrtkosten nicht mit eingerechnet – das Zentrum lag 50 Kilometer von uns entfernt. Zum Glück hatten wir ein paar Ersparnisse, auf die wir zurückgreifen konnten. Sonst hätten wir einen Kredit aufnehmen müssen.“

Wie habt ihr denn die geglückte Schwangerschaft erlebt?

„Wir konnten es kaum glauben und unsere Sorgen waren anfangs sehr groß, vor allem in den ersten zwölf Wochen. Der Gynäkologe meiner Frau hat uns zusätzlich Angst gemacht und vor einem deutlich erhöhten Fehlgeburtsrisiko gesprochen. Sie hat dann den Arzt gewechselt und wurde dort besser betreut. Davon abgesehen ist die Schwangerschaft aber ganz normal verlaufen.“

Hast du auch negative Erinnerungen an die Behandlung?

„Ja, durchaus. Wir haben ja wie gesagt nur ein Kinderwunschzentrum kennengelernt. Dort hatte ich leider das Gefühl, dass unsere Erfolgschancen zu positiv eingeschätzt wurden. Ich habe mich auf Basis meines Befundes selbst informiert und bin zu einer anderen Einschätzung gekommen. Dadurch ist bei mir das Gefühl hängen geblieben, dass die Wirtschaftlichkeit etwas zu sehr im Vordergrund gestanden hat. Die Kosten für die Therapie waren ja noch nachvollziehbar, aber die Kosten für Medikamente gingen pro Versuch in den vierstelligen Bereich. Abgesehen davon haben uns die Mitarbeiter in der Klinik aber immer sehr freundlich und einfühlsam behandelt. Und klar, ohne ihre Hilfe wäre unser Kind letztlich nicht entstanden.“

Denkst du noch oft daran, wie dein Sohn entstanden ist?

„Nein, wirklich gar nicht. Das spielt keine Rolle mehr. Er ist ja ein ganz normales Kind, dem man seine besondere Entstehungsgeschichte nicht ansieht. Wir werden ihm aus genau diesem Grund auch nichts von der Kinderwunschbehandlung erzählen, denn es macht für uns keinen Unterschied. Er ist unser leibliches Kind, wir sind eine ganz normale Familie.“

*Die Familie möchte anonym bleiben, ist uns aber bekannt.

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