Für die Eltern geht ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung: Die Reproduktionsmedizin verhilft ihnen zum langersehnten Kind. Doch aus den Babys werden Erwachsene, die irgendwann erfahren, dass sie eine besondere Entstehungsgeschichte haben. Wie geht es dem ersten Retortenbaby und einem der ersten Spenderkinder heute?

Ein Hoffnungsträger

Sie gilt als erster Mensch, der mit Hilfe der Reproduktionsmedizin entstanden ist: Louise Brown aus Großbritannien. Sie kam 1978 zur Welt – bis dahin war eine künstliche Befruchtung im Labor noch kein einziges Mal geglückt. Damals fanden viele Menschen die Vorstellung unheimlich, dass ein Mensch im Labor entsteht. Die katholische Kirche sah in ihrer Entstehung ein „Werk des Teufels“. Doch Louises Eltern ließen sich davon und auch vom anhaltenden Medienrummel nicht beirren und bekamen nur wenige Jahre später eine weitere Tochter per künstlicher Befruchtung. Inzwischen hat Louise Brown selbst zwei kleine Söhne – die auf ganz natürlichem Wege entstanden sind. „Meine Geburt hat vielen Hoffnung gemacht“, sagt sie.

Auch wenn künstliche Befruchtungen nicht immer zum Erfolg führen, werden heute in Deutschland etwa 2-3 Prozent aller Kinder eines Jahrgangs im Kinderwunschzentrum gezeugt. Das wären im Jahr 2016 zwischen 15.000 und 23.000 Kinder.

Spenderkind und Samenspender

Auch bei der Samenspende gibt es Pioniere, die heute längst erwachsen sind. Zwar lässt sich nicht mit der gleichen Gewissheit sagen, wer das erste Spenderkind gewesen ist. Doch zu den ersten Kindern mit dieser besonderen Entstehungsgeschichte dürfte das Spenderkind Björn S. zählen, von dem die Süddeutsche Zeitung berichtet. Er ist heute Mitte dreißig und fand durch einen Zufall heraus, dass er einen Spendervater hat. Damals riet man den Eltern noch, die Samenspende vor den Kindern geheim zu halten. Was ihm geholfen hat, mit seiner Geschichte umzugehen? Björn S. ist inzwischen selbst Samenspender geworden und möchte zusammen mit einem lesbischen Paar eine Familie gründen – das Kind soll von Anfang an wissen, dass er der Vater ist.

Über die Zahl der Spenderkinder in Deutschland ist weniger bekannt, da diese Form der Entstehung auch privat organisiert werden kann. Der Verein Spenderkinder gibt an, dass es Schätzungen zufolge über 100.000 Menschen geben dürfte, die durch eine Samenspende gezeugt wurden.

Recht auf Wissen

Wo früher Verschwiegenheit herrschte, wird heute Offenheit empfohlen. Kinderwunschberaterin Doris Wallraff empfiehlt bei einer Samenspende die Aufklärung schon im Kindergartenalter. „Jeder Mensch hat das Recht auf Kenntnis seiner genetischen Herkunft.“ Wenn Kinder erst spät und durch einen Zufall von ihrem Spendervater erfahren, könnten sie sich belogen fühlen oder sogar das Vertrauen in ihre Eltern verlieren. Eine Samenspende kindgerecht zu kommunizieren ist nicht ganz einfach, auch weil mit dem Spendervater eine zumeist unbekannte Person Teil der Familie wird. „Wer sich für die Familiengründung mit Samenspende entscheidet, sollte sich auf fremde Anteile in der eigenen Familie einlassen können und in der Lage sein, selbstbewusst damit umzugehen“, rät Wallraff.

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