Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) findet die Befruchtung außerhalb des Körpers statt. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Frau eingeschränkt fruchtbar ist.

Der erste durch künstliche Befruchtung gezeugte Mensch ist die Engländerin Louise Brown, die 1978 zur Welt kam. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete im Jahr 2012, dass weltweit über fünf Millionen Menschen ihre Entstehung einer künstlichen Befruchtung verdanken – Tendenz steigend. Das sollten alle angehenden Eltern, die eine IVF für die Erfüllung ihres Kinderwunsches brauchen, im Hinterkopf behalten. Ihr Kind ist mit seiner Entstehungsgeschichte alles andere als allein.

Wann ist eine IVF sinnvoll?

Die In-vitro-Fertilisation ist zwar eine Form der künstlichen Befruchtung, dennoch müssen sich Ei- und Samenzellen selbstständig finden und verschmelzen – ein Prozess, der normalerweise im Eileiter der Frau stattfindet. Daher ist ein gutes bis höchstens leicht eingeschränktes Spermiogramm des Partners eine Voraussetzung für eine erfolgreiche In-vitro-Fertilisation. Bei der Frau ist eine IVF sinnvoll, wenn sie unter verschlossenen Eileitern, Hormonstörungen, Endometriose oder PCO leidet. Die künstliche Befruchtung ist auch oft der nächste Schritt für Paare, die nach mehreren Inseminationen nicht schwanger geworden sind.

Ablauf der künstlichen Befruchtung

Den Beginn einer IVF macht die hormonelle Stimulation der Eierstöcke. Etwa zwei Wochen lang nimmt die Frau dafür Hormone ein. Die Dosierung wird individuell an jede Patientin angepasst. Das Ziel: mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen zu lassen. Sind auf dem Ultraschall genug reife Eizellen zu sehen, wird der Frau eine Hormonspritze verabreicht, um die Eisprünge auszulösen. Zwei bis drei Tage später wird die Follikelflüssigkeit mit den Eizellen während einer kurzen Narkose abgesaugt. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und wird vaginal durchgeführt. Spannend ist dann der Blick unter dem Mikroskop: Wie viele Eizellen konnten gewonnen werden – und wie gut ist ihre Qualität?

Im Labor werden die Eizellen dann in eine Nährlösung gegeben und mit den aufbereiteten Samen des Partners zusammengebracht. Dafür ist eine Mindestanzahl von 50.000 bis 100.000 gesunden und beweglichen Spermien pro Eizelle erforderlich. Nach etwa einem Tag ist in der Regel mehr als die Hälfte der Zellen befruchtet. Doch man setzt sie noch nicht sofort ein, sondern wartet weitere zwei bis fünf Tage ab. In der Zeit teilen sich die befruchteten Eizellen ein paar Mal und es lässt sich erkennen, welche sich gut entwickeln und welche nicht.

Im Rahmen eines Embryonentransfers werden ein bis zwei – bei Frauen über 37 Jahren auch bis zu drei – besonders gut geratene Embryonen in die Gebärmutter der Frau gespült. Sind Embryonen übrig, besteht die Möglichkeit, diese einzufrieren. Sie können dann bei einem späteren Versuch als Kryotransfer verwendet werden. Zwei Wochen nach der Behandlung kann die Frau zu Hause oder beim Arzt einen ganz normalen Schwangerschaftstest durchführen und überprüfen, ob die Einnistung geglückt ist.

Zellteilung_Film_Uniklinik Bonn
Ein kurzer Film über die Zellteilung der befruchteten Eizelle von der Abteilung Reproduktionsmedizin der Universitätsklinik Bonn.

Risiken und Chancen der IVF

Die IVF birgt durch die zwingend notwendige Hormonbehandlung das seltene Risiko einer Überstimulation: Dabei reagieren die Eierstöcke zu stark und vergrößern sich. Die Behandlung muss dann vorerst abgebrochen werden. Die Hormonbehandlung wird von den Patientinnen unterschiedlich wahrgenommen. Einige klagen über unangenehme Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, leichte Übelkeit oder Schwindel. Andere empfinden die Hormonbehandlung sogar als sehr angenehm. Die Hormone sind auch der Grund, weswegen die IVF wesentlich teurer ist als die Insemination. Eine IVF kostet – je nach Kinderwunschzentrum – zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Bei verheirateten Paaren übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Hälfte für bis zu drei Versuche.

Die Aussicht, nach einer IVF-Behandlung schwanger zu werden, sind deutlich höher als bei normalem Geschlechtsverkehr. Die Chance liegt bei 20 bis 40 Prozent pro Versuch, je nachdem wie alt die Frau ist: Auf 40 Prozent kommen Frauen unter 30 Jahre, bei 20 Prozent liegen Frauen um die 40 Jahre. Auch die Wahrscheinlichkeit für eine Zwillingsschwangerschaft ist hoch: Jede vierte bis fünfte künstliche Befruchtung führt zu zwei Babys. Ob das nun als Chance oder als Risiko gewertet wird, muss jedes Paar und jede Frau für sich selbst entscheiden.

Übrigens: Die meisten Kinderwunschzentren in Deutschland liefern die anonymisierten Ergebnisse ihrer IVF- oder ICSI-Behandlungen an das Deutsche IVF-Register, das diese jährlich auswertet.

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