Kleine Schwankungen der Aufwach-Temperatur zeigen an, wann mit einem Eisprung zu rechnen ist. Das können Frauen zur Verhütung genauso nutzen wie zur Familienplanung.

Die Temperaturmethode, auch NFP (Natürlich Familienplanung) genannt, verrät Frauen, was sich in ihrem Körper abspielt. Mehr als Thermometer, Zettel und Stift braucht man dafür nicht.

Wer die Temperaturmethode anwendet und einen Kinderwunsch hat, kann einige wichtige Dinge über seinen Zyklus herausfinden:

  1. Hat man überhaupt einen Eisprung?
  2. Wie lang sind die Zyklen und sind sie regelmäßig?
  3. Wann genau sind die fruchtbaren Tage?
  4. Ist die zweite Zyklus-Hälfte lang genug?

Welche Hilfsmittel gibt es?

Am wichtigsten für die Temperaturmethode ist ein präzises Thermometer, das genau nach Gebrauchsanweisung benutzt wird. Für die Aufzeichnung empfehlen sich Zyklus-Blätter, auf denen die Temperatur jeden Morgen nach dem Aufwachen eingetragen wird. Es gibt zahlreiche Vorlagen im Internet, die unter den Stichworten „NFP“ oder „Temperaturmethode“ zu finden sind. Zwei davon sind zum Beispiel diese eher schlichte Vorlage oder diese ausführliche Vorlage. Keine Sorge, man muss hier nicht jede Spalte ausfüllen. Das wichtigste ist die Temperatur, die jeden Morgen etwa zur gleichen Zeit und an immer derselben Körperstelle gemessen werden sollte. Wer mehr als die Temperatur eintragen möchte, kann dies gerne tun.

Wichtig ist: Ein Zyklus beginnt immer am ersten Tag der Periode. Mit jeder Periode sollte man also auch ein neues Zyklus-Blatt beginnen, auch wenn das alte Blatt noch nicht voll ist. Hat man nach einigen Monaten mehrere Blätter ausgefüllt, kann man diese untereinander legen. So lässt sich auf einen Blick erkennen, ob die Zyklen alle ähnlich lang sind und ob der Eisprung immer am gleichen Zyklus-Tag erfolgt. Denn nicht jede Frau hat ihren Eisprung wie im Lehrbuch am 14. Zyklustag. Bei vielen kommt er ein paar Tage später, bei einigen sogar ein paar Tage früher. Manche Frauen werden nur deshalb nicht schwanger, weil sie ihre fruchtbaren Tage falsch einschätzen!

Technische Hilfsmittel

Wer nicht so gerne mit Zetteln arbeitet: Es gibt speziell für die Temperaturmethode auch NFP-Apps, mit denen die Daten elektronisch eingetragen und ausgewertet werden. Diese Programme zeigen auch direkt die fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tage an und können die Daten vieler Monate automatisch auswerten. Eine sehr verbreitete App ist „myNFP“. Eine weitere Möglichkeit, die allerdings etwas kostspieliger ist, sind Temperatur-Computer. Sie sind etwa so groß wie ein Taschenrechner und werden mit der täglichen Aufwach-Temperatur gefüttert. Nach einer Weile können auch sie die fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tage anzeigen.

Was bringt die Temperaturmethode?

Die Aufwachtemperatur (auch: Basaltemperatur) unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Bei den einen sind es recht konstant 36,2 Grad Celsius, bei anderen 36,4 oder 36,6. Während des Zyklus sorgen bestimmte Hormone dafür, dass diese durchschnittliche Temperatur leicht schwankt. Konkret gesagt: Sobald der Körper das luteinisierende Hormon (LH) ausschüttet, das für den Eisprung verantwortlich ist, sinkt die Temperatur für einen Tag ab – was aber meistens nur an der Nachkommastelle zu erkennen ist. Kurz nach dem Eisprung, also etwa 2-3 Tage später, steigt sie über den normalen Durchschnittswert und verbleibt dort etwa zwei Wochen. Grund dafür ist das Gelbkörperhormon Progesteron. Hat eine Befruchtung und Einnistung stattgefunden, dann bleibt die Temperatur oben. Kündigt sich hingegen die Periode an, fällt die Temperatur wieder auf den Durchschnittswert herab.

Die Temperaturmethode kann sinnvoll ergänzt werden um weitere Beobachtungen, und zwar des Zervixschleims und des Muttermunds. Eine weitere Ergänzung sind Ovulationstests im Zeitraum der erwarteten fruchtbaren Tage. Sie zeigen noch einmal präziser an, wann der Körper das LH ausschüttet, das den Eisprung innerhalb der nächsten zwei Tage auslöst.

Welche Störfaktoren gibt es?

Es kann hin und wieder dazu kommen, dass die Aufwach-Temperatur verfälscht ist. Wer viel später als sonst misst, etwa weil er lange ausgeschlafen hat, wird einen höheren Wert feststellen. Das liegt daran, das der Stoffwechsel schon zu arbeiten begonnen hat. Auch Alkohol und ein sehr spätes, deftiges Abendessen können die Basaltemperatur beeinflussen. Manchmal kündigen erhöhte Werte auch eine anstehende Erkältung an. Starker Stress und Zeitverschiebung können die Aufwach-Temperatur ebenfalls verzerren. Am besten notiert man sich bei solchen Werten kurz, ob störende Faktoren vorliegen.

Vor- und Nachteile der Temperaturmethode

Die Temperaturmethode scheint auf den ersten Blick aufwändig zu sein, doch die regelmäßigen Messungen und Beobachtungen werden schnell alltägliche Routine wie das Zähneputzen. Ein großer Vorteil: Frauen, die sich darauf einlassen, lernen ihren Zyklus besser kennen und können die einzelnen Anzeichen den Zyklusphasen immer besser zuordnen. Einziger Nachteil: Die Temperaturmethode macht ein bisschen Arbeit und verlangt Sorgfalt. Erst nach einigen Monaten weiß man, wann die einzelnen Phasen sind und kann damit seinen Kinderwunsch besser planen. Doch vielen Frauen gelingt es alleine schon durch das Wissen um ihre fruchtbaren Tage, schneller schwanger zu werden. Oder sie finden heraus, dass es Störungen in ihrem Zyklus gibt, die ärztlich abgeklärt werden müssen.

Übrigens: Gynäkologen freuen sich immer, wenn man ihnen gut gepflegte Zyklus-Blätter in die Sprechstunde mitbringt.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Comment *