Über hormonelle Gründe, aber auch über Umweltgifte als Ursache für Endometriose haben wir mit Professor Dr. Claus Schulte-Uebbing gesprochen.

Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb des Organs, zum Beispiel in den Eileitern, Eierstöcken oder im Bauchraum. Diese Wucherungen sind gutartig, können aber sehr schmerzhaft sein und die Fruchtbarkeit stark einschränken. Wissenschaftler beobachten, dass die Zahl der Endometriose-Patientinnen in den Industrieländern zunimmt. Daher ist es ein naheliegender Gedanke, dass auch äußere Faktoren die Entstehung einer Endometriose begünstigen können. Professor Dr. Claus Schulte-Uebbing aus München behandelt und erforscht seit vielen Jahren Patientinnen mit Endometriose.

Weshalb gilt Endometriose als schwer behandelbar?

„Die Ursache dieser Erkrankung ist immer eine hormonelle Störung, die mitverursacht sein kann durch bestimmte Schadstoffe, aber auch durch Immunschwäche und Infektionen. Für den behandelnden Arzt ist es sehr aufwändig, den Ursachen bei jeder einzelnen Patientin auf die Spur zu kommen.“

Wie würden Sie die hormonelle Störung beschreiben?

„Wir stellen fest, dass Frauen mit Endometriose sehr oft eine Östrogendominanz aufweisen: Ihr Körper produziert zu viele weibliche Hormone. Gleichzeitig leiden sie oft an einem Mangel an Progesteron, dem Gelbkörper-Hormon. Doch das ist nicht alles – Endometriose geht auch häufig einher mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion und gelegentlich auch mit einer gestörten Nebennierenrindenfunktion. Wir konnten in einer eigenen Untersuchung an Endometriose-Patientinnen auch zeigen, dass Infekte wie häufige Scheiden-, Blasen- und Darm-Entzündungen eine Östrogendominanz stark fördern.“

Was lässt sich zu Giftstoffen sagen?

„Es zeigt sich, dass eine Reihe von Umweltgiften über eine Hormonwirkung verfügen. Dies trifft auf Kunststoff-Weichmacher wie Phthalate und Bisphenol A, aber auch auf Moschus-Duftstoffe, Pestizide, Insektizide, Holzschutzmittel und Schwermetalle zu. Diese Stoffe lagern sich bevorzugt im Fettgewebe ab. Über die Ernährung mit Fleisch, Fisch und tierischen Fetten gelangen sie dann in den menschlichen Körper, wo sie sich ebenfalls ansammeln. In einer zu großen Menge schwächen sie das Immunsystem und stören hormonelle Abläufe.“

Kann man herausfinden, wie belastet man selbst ist?

„Ja, und das ist auch wichtig, denn diese Umweltgifte stehen nicht nur im Verdacht, Endometriose zu verursachen oder zu verstärken, sondern sind auch an anderen Erkrankungen mitbeteiligt. Dazu zählen Brustkrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs, Myome an der Gebärmutter und Zysten an den Eierstöcken. Glücklicherweise können wir die Schwermetall-Belastung von Patientinnen heute recht gut feststellen und es gibt eine Reihe von Entgiftungs-Methoden. Allerdings werden solche Schadstoff-Analysen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.“

Wie sollten Endometriose-Patientinnen behandelt werden?

„Der erste Schritt zur Linderung der Symptome ist oft eine schulmedizinische Behandlung. Bei einer Operation kann das überschüssige Gewebe entfernt werden, danach bieten sich Schmerz- und Hormontherapien an. Eine starke Endometriose kann auch mit speziellen Scheidenzäpfchen behandelt werden, die in hoch dosierter Form Progesteron und Vitamin D enthalten. Vitamin D eignet sich gut, um Hormone zu regulieren und das Immunsystem zu stärken. Neben diesen Behandlungsformen hat sich auch die Akupunktur bei der Regulierung des Hormonkreislaufs sehr bewährt.“

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