Was Testosteron und anabole Steroide für die männliche Fruchtbarkeit bedeuten, hat uns Professor Dr. Dr. Patrick Diel von der Deutschen Sporthochschule Köln erzählt.

Als Endokrinologe hat Professor Diel immer wieder mit gedopten Männern zu tun. Die hormonellen Mittel sollen zu sichtbarem Muskelwachstum führen, manche Konsumenten wollen dadurch auch leidensfähiger und aggressiver werden. Insgesamt lautet das Ziel: mehr Männlichkeit. Sei es für den sportlichen Erfolg oder für den Erfolg beim weiblichen Geschlecht. Die Kehrseite ist nur: Wer hormonell nachhilft, riskiert mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Fruchtbarkeit. „Oft kommen Frauen von gedopten Männern zu mir und machen sich Sorgen um ihre Familienplanung“, erzählt Professor Diel. Aber lest selbst, um was sich die Frauen und ihre Partner konkret Gedanken machen sollten.

Wenn Sie im Fitnessstudio sind – was beobachten Sie dort?

„Ich erkenne oft auf den ersten Blick, welche Männer mit irgendwelchen Mitteln nachgeholfen haben. Manche nehmen ja einen ganzen Cocktail an Hormonen, um noch mehr Muskeln aufzubauen und trainieren entsprechend schmerzfrei. Das ist ein suchthaftes Verhalten, es würde gar nichts bringen, die Betroffenen darauf anzusprechen.“

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Professor Dr. Dr. Patrick Diel warnt vor der eigenmächtigen Einnahme von Hormonen, die als Nebenwirkung die Fruchtbarkeit einschränken können.

Welche Wirkungen hat das Testosteron noch?

„Das männliche Geschlechtshormon wirkt generell auf zwei Weisen: Seine androgenen Eigenschaften regen die Produktion von Spermien im Körper an und seine anabolen Eigenschaften führen zu Muskelwachstum. Beim Doping im Profi- oder Freizeitbereich werden vor allem Präparate eingesetzt, die überwiegend die anabole Wirkung mitbringen. Doch Hormone haben nie nur einen Effekt, sie liefern meistens ein Bündel an Wirkungen. So macht das Testosteron zum Beispiel auch aggressiver gegen sich selbst und andere.“

Doping ist illegal – woher kommen die Hormone?

„Viele Mittel werden recht günstig im Internet oder unter dem Tresen gekauft. Manche beziehen ihre Mittel auch mit Scheinrezepten aus Apotheken, zum Beispiel Testosteron-Gels. Weil der Konsum so oder so illegal ist, sind hierbei auch keine beratenden Ärzte im Spiel, es gibt oft nicht einmal Beipackzettel mit Nebenwirkungen. Die Konsumenten wissen nicht, wie die Mittel einzeln oder im Zusammenspiel wirken.“

Mit welchen Nebenwirkungen müssen die Konsumenten rechnen?

„Hormone haben einen unterschätzten Einfluss auf den Körper. Mit Testosteron können Frauen per Geschlechtsumwandlung biologisch zum Mann werden. Und wer zum Muskelaufbau dopt, nimmt große Mengen zu sich: Wir konnten feststellen, dass die Mengen, die in einschlägigen Fitnessstudios oder Gyms eingenommen werden, 50 bis 500 mal höher sind, als Hormone in Medikamenten. Und selbst die geringen medizinisch sinnvollen Dosen haben so starke Nebenwirkungen, dass die Beipackzettel lang sind.“

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

„Da wäre zum einen die schwere Akne zu nennen, oft auch starker Haarwuchs am Körper, während die Haare auf dem Kopf eher ausfallen. Da die Mittel das Muskelwachstum vorantreiben, kann es auch zu einem krankhaft vergrößerten Herzen kommen. Oder zu Leberschäden, denn die Leber muss diese Stoffe ja abbauen. Die entscheidende Nebenwirkung betrifft aber die Hoden: Dort produziert der Körper eigenes Testosteron, das die Spermienproduktion anregt.“

Was geschieht, wenn man zusätzliches Testosteron einnimmt?

„In der Zeit der Einnahme sind die betroffenen Männer höchstwahrscheinlich unfruchtbar. Mehr Testosteron führt nämlich nicht zu mehr Fruchtbarkeit. Wenn ein Mann Testosteron einnimmt, registriert das Gehirn einen höheren Hormonspiegel und signalisiert den Hoden, die Produktion herunterzufahren. Damit kommt aber auch die Spermienproduktion zum Erliegen. Manchmal schrumpfen dabei sogar die Hoden sichtbar zusammen, sie haben ja weniger zu tun. Die bislang einzige zugelassene Pille für den Mann macht sich genau dieses hormonelle Prinzip zunutze.“

Kommt die Fruchtbarkeit nach dem Absetzen der Mittel zurück?

„Das ist schwer zu sagen, weil es dazu keine Langzeitstudien gibt, da der Konsum in der Form ja illegal ist. Je nachdem was ein Mann einnimmt und wie lange, kann es sein, dass seine Fruchtbarkeit lebenslang geschädigt bleibt. Bei relativ kurzer und nicht allzu intensiver Einnahme gelingt es dem Körper aber oft, eigenständig die Spermienproduktion wieder aufzunehmen.“

Was bedeutet es, wenn ein gedopter Mann Vater wird?

„Die Sorge vor möglichen Erbschäden ist nicht ganz unberechtigt, zumindest erhöht die Einnahme von Testosteron und anabolen Steroiden hierbei die Wahrscheinlichkeit. Doch ein anderer Effekt ist viel bedeutender und den Männern oft nicht klar: Die Hormone bleiben nicht zwangsläufig nur in ihrem Körper. Wer zum Beispiel die derzeit so beliebten Testosteron-Gels benutzt und auch Stunden danach noch Körperkontakt mit seiner Partnerin hat, gibt ihr über die Haut eine gehörige Portion davon ab. Das hat für die Fruchtbarkeit der Frau erhebliche Nachteile, eine bereits vorhandene Schwangerschaft ist dadurch sogar stark gefährdet.“

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