Wenn ein Paar nicht schwanger wird, sollten beide Partner sich untersuchen lassen. Beim Mann ist das relativ einfach, Frauen müssen an viele Ursachen denken.

Die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit sind statistisch gesehen gleichmäßig auf Mann und Frau verteilt. Bei manchen Paaren sind auch beide betroffen. Es macht also nur Sinn, dass auch beide Partner gleichzeitig beschließen, zum Facharzt – also zum Gynäkologen oder zum Urologen – zu gehen. Sich gesund und fit oder potent zu fühlen, gibt noch lange keinen Hinweis darauf, wie es um die eigene Fruchtbarkeit bestellt ist. Es folgt ein Überblick über die häufigsten Ursachen von ungewollter Kinderlosigkeit bei Frauen und Männern.

Bei Frauen sind diese Störungen oder Erkrankungen häufig Ursache einer eingeschränkten Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit:

Endometriose

Bei dieser recht häufigen Erkrankung wächst die Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb des Organs, beispielsweise in den Eileitern oder in den Eierstöcken. Viele Frauen mit Endometriose leiden unter starken Unterleibsschmerzen. Durch diese Verwachsungen kann die Fruchtbarkeit bei den Betroffenen massiv beeinträchtigt sein, auch wenn ansonsten hormonell alles in Ordnung ist. Die Endometriose-Vereinigung Deutschland geht davon aus, dass bis zu 15 Prozent der geschlechtsreifen Frauen an einer Form von Endometriose leiden. Als Therapie wird bei ausgeprägten Formen häufig eine Laserbehandlung oder ein operativer Eingriff eingesetzt.

Eileiterverschluss

In den Eileitern findet idealerweise die Befruchtung der Eizelle statt. Es kann sein, dass die Eileiter bei einer Frau, die ungewollt kinderlos ist, teilweise oder vollständig verschlossen sind. Im Rahmen einer Bauchspiegelung, bei der die Eileiter durchgespült werden, kann das festgestellt werden. Sind die Eileiter eindeutig verschlossen, kann dies die Folge einer früheren Chlamydien-Infektion sein – die oft unbemerkt verläuft. Es kann auch die Folge einer fortgeschrittenen Endometriose sein. In manchen Fällen öffnet schon die Spülung die Eileiter wieder. Genügt das nicht, empfehlen Ärzte meistens direkt eine künstliche Befruchtung, da chirurgische Eingriffe kaum Erfolge versprechen.

Gebärmutteranomalien

Es kann in der Gebärmutter recht häufig zu Verwachsungen des Muskelgewebes kommen – diese nennt man auch Myome. Es sind gutartige Geschwülste, die einer Schwangerschaft oft im wahrsten Sinne des Wortes „im Weg“ stehen. Viele Frauen haben kleine und harmlose Myome, die nur ein paar Zentimeter groß sind und nicht weiter stören. Doch bei einigen werden sie immer größer und können auch Schmerzen verursachen. Durch eine Gebärmutterspiegelung oder einen operativen Eingriff können Myome in der Regel gut entfernt werden.

Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS)

Die PCOS-Selbsthilfe Deutschland schreibt, dass fünf bis zehn Prozent aller Frauen im geschlechtsreifen Alter unter dem Syndrom leiden. Eine Störung des hormonellen Gleichgewichts führt bei Betroffenen zu starken Zyklusstörungen, sehr langen Zyklen oder ganz ausbleibender Periode. Im Ultraschall lassen sich an den Eierstöcken zahlreiche Bläschen erkennen. Die Hormonstörung kann bei einigen Frauen sogar dazu führen, dass sie unter Übergewicht, Akne, Haarausfall und teils männlicher Behaarung, etwa im Gesicht, leiden. Das Krankheitsbild erfordert bei Kinderwunsch eine komplexe Behandlung, bei der fast immer Hormongaben eine Rolle spielen.

Hormonstörung

Neben PCOS gibt es auch andere hormonelle Störungen, die zu ungewollter Kinderlosigkeit führen können. Mangelt es zum Beispiel am luteinisierenden Hormon (LH), kommt es gar nicht erst zum Eisprung. Oder fehlt das Gelbkörperhormon (Progesteron), kann eine Schwangerschaft nicht aufrecht erhalten werden. Bluttests in unterschiedlichen Zyklusphasen (Hormonstatus) können hier Klarheit verschaffen. Auch die Schilddrüsenhormone haben einen entscheidenden Einfluss auf die Fruchtbarkeit. Sowohl Unter- als auch Überfunktion können zu ungewollter Kinderlosigkeit führen. Hormonstörungen lassen sich in der Regel auch nur mit der Gabe von Hormonen beheben.

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Paare sollten bei ungewollter Kinderlosigkeit auch beide zum Arzt gehen, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

 

Bei Männern kommen folgende Störungen oder Erkrankungen als Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch infrage:

Spermienqualität

Das entscheidende Kriterium für die männliche Fruchtbarkeit ist die Qualität der Spermien. Es müssen genug gesunde und bewegliche Samenzellen vorhanden sein. Ein Spermiogramm beim Urologen gibt Auskunft über die Spermienqualität. Bei einer leichten Einschränkung kann eine Insemination helfen, bei einem extrem schlechten Spermiogramm führt nur eine künstliche Befruchtung zur Schwangerschaft. Eine deutliche Verbesserung können Männer unter Umständen auch durch ihren Lebensstil bewirken, etwa wenn sie das Rauchen aufgeben, weniger Alkohol trinken, sich vitamin- und mineralstoffreich ernähren und regelmäßig bewegen. Auch Erkrankungen wie Diabetes oder die missbräuchliche Einnahme von Anabolika können zu einer schlechten Spermienqualität führen.

Azoospermie

Sind gar keine Samenzellen im Ejakulat enthalten, spricht man von einer Azoospermie. Diese kann genetisch bedingt sein oder durch eine Hodenentzündung sowie einen Hodenhochstand im Kindesalter ausgelöst worden sein. Männer, die unter einer Azoospermie leiden, müssen ihren Kinderwunsch nicht unbedingt aufgeben. Durch einen speziellen Eingriff (TESA/TESE-Verfahren) können eventuell einzelne Spermien aus den Hoden gewonnen werden und durch eine anschließende Befruchtung im Labor (ICSI) zur Schwangerschaft führen.

Samenleiterverschluss

Wie bei Frauen die Eileiter, sind bei Männern die Samenleiter das Nadelöhr, durch das die Zellen hindurch müssen. Bei manchen Männern sind sie undurchlässig, was häufig die Folge von Entzündungen oder Infektionen im Hodenbereich ist. Dieses Problem kann aber in der Regel durch einen mikrochirurgischen Eingriff behoben werden. Eine alternative Möglichkeit ist die Gewinnung von Spermien direkt aus den Hoden, (TESA/TESE-Verfahren) in Kombination mit einer künstlichen Befruchtung (ICSI).

Ejakulations- oder Erektionsstörungen

Manchmal hat die ungewollte Kinderlosigkeit ganz praktische Ursachen: Durch Ejakulations- oder Erektionsstörungen (z.B. vorzeitiger Samenerguss oder Potenzprobleme) haben auch Männer mit gutem Spermiogramm Schwierigkeiten, ein Kind zu zeugen. Diese Störungen sind teilweise psychisch bedingt, allerdings macht der Kinderwunsch oft zusätzlichen Stress. Betroffenen Paaren kann in der Kinderwunschklinik oft schon durch eine Insemination geholfen werden. Alternativ besteht auch die Möglichkeit der sogenannten Bechermethode: eine zu Hause durchgeführte Befruchtung, für die man neben einem Becher auch eine Spritze mit Katheter oder eine lange Pipette benötigt.

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